Eines meiner Teleskope habe ich vor vielen Jahren nach Wels verkauft. Ein paar Jährchen später ist dieses Ding wieder in Niederösterreich gelandet, im Wienerwald Gebiet. Der derzeitige Eigentümer, Niki, hat mich damals kontaktiert. Wir waren oft per Telefon oder SMS in Kontakt. Es war ein Ziel, dass wir uns einmal sehen wollten, und gemeinsam beobachten, wobei ich auch mein altes Schätzchen wieder mal sehen könnte. Immer war irgendwas dazwischen. Am 13. August waren wir wieder einmal in Kontakt, und es war absehbar, heute oder morgen, dann ist es vorerst aus mit klaren Nächten, vor allem in dieser Neumond Phase. Relativ kurz entschlossen planten wir ein Treffen auf der Ebenwaldhöhe.
Wir wollten uns um 20 Uhr dort treffen. Ich bin mit dem Einladen meiner Ausrüstung in Zeitverzug geraten, und auf der Straße war teils viel los, flottes weiter kommen nicht gar so leicht. Bis ich oben ankam, war die Sonne schon untergegangen. Es war schon bei meiner Ankunft recht kühl und ein wenig windig. Lange hielt ich es sommerlich bekleidet nicht aus, ich schlüpfte bald in wärmere Klamotten.
Freilich war es jetzt noch viel zu hell. Also konnten wir noch ein bisserl plaudern, und ich nahm natürlich auch mein ehemaliges Teleskop ein wenig in Augenschein. Wer es noch nicht erraten hat: es ist der Starspillter II 18" Dob. Da sind einige Optimierungen eingeflossen, aber andererseits geht noch was. Mit ein paar Tipps konnte ich hoffentlich helfen.
Ich selbst hatte meinen 5,7" f/6 Maksutov-Newton mit, als Montierung die iOptron ieq45, mit dem originalen Stahlrohr Stativ. Lang, lang ist es her, dass ich auf der Ebenwaldhöhe war. So konnte ich mich nicht mehr erinnern, wo genau Norden ist. Ich musste wirklich warten, bis genug Sterne sichtbar wurden, dass ich den Polarstern fand und das Stativ ausrichten konnte. Von da an ist der Aufbau so weit glatt gegangen.
Mittlerweile war es fast schon dunkel, als noch ein Auto rauf kam. Es war Nikis Arbeitskollegin, Karin, die einmal durch ein astronomisches Teleskop schauen wollteNiki hatte den 18" Dob mittlerweile aufgebaut. Ich half mit meinem Justierlaser aus. In zwei Durchgängen war die Justierung perfekt.
Nikis Art, dieses schwergewichtige Monster zu bändigen: den Hauptspiegel separat zu transportieren. Damit ist die Spiegelkiste dann nicht sooo schwer, die schafft man schon. Mitsamt Hauptspiegel die Spiegelkiste anheben, da hab ich mir einst regelmäßig das Kreuz verrissen. Das Ein- und Ausladen ging bei mir dafür über Rampenbretter via Schunkarrengriffe. Klar, wenn man so arbeitet, muss man die Rampenbretter auch noch mit transportieren. Nikis Verfahren spart solche Rampenbretter, dafür ist etwas mehr Arbeit beim Verladen, Ausladen, Auf- und Abbau zu tun.
Zurück zu meinem Setup. Etwas verwundert war ich, als mein Alignment Stern, Altair, so schlecht getroffen wurde. Die naheliegendste Erklärung: es muss eines der Stativ Beine nach dem Nivellieren per digitaler Wasserwaage ein wenig nachgegeben haben, dann ist die Poljustierung natürlich falsch. So ist es schon einst mal passiert, damals aber krass, da hat das Goto gar nichts mehr getroffen.
Mittlerweile war es dunkel genug geworden. Die Milchstraße stand prächtig da, reich strukturiert, bis in den Süden über dem Hochstaff. Somit starteten wir die Beobachtungen.
Ich hatte - wie anders könnte es sein - eine Liste mit. Komplett ungeplant geht bei mir nicht gut. Niki war eher nach Lust und Laune unterwegs.
M27 war mein erstes Objekt. Niki meinte, da seien etliche Sterne im Nebel. Richtig, auch im wesentlich kleineren Maksutov-Newton waren ein paar davon zu erhaschen, darunter der Zentralstern, der ja nicht gar so schwierig ist. Sowohl Niki als auch Karin schauten viel bei mir mit. Ich wurde letztlich aufmerksam, als Karin vermeinte, orangefarbene Ränder an M27 im 18" gesehen zu haben. Ich guckte nun mal ins Okular am 18" Dob. Jaja, ein vertrauter Anblick, mit den Ohren, eines leichter zu sehen, das andere etwas schwieriger. Ok, das hat mein 5.7" auch gezeigt. Was ist mit der Farbe? In erster Linie das kühle Blaugrün der OIII Strahlung. Die Ränder des Apfelputzen, da ist das H-Alpha Licht auf den Fotos zu finden, wirken schwächer. Und ja, kritisch, den direkten Blick (Licht ist ja genug vorhanden) drauf gerichtet, konnte ich so etwas wie einen wärmeren Ton erkennen. Mir ist bekannt, dass es Menschen gibt, die bei der Deep Sky Beobachtung Farbe besser sehen als andere. Ich bin da eher auf der Negativ-Seite, mein Farbsehen bei schwachem Licht ist nicht gerade gut ausgeprägt.
Niki hatte schon beim Anblick des M27 im kleinen 5,7" MN Konkurrenz vermutet. Ja, deutlich heller im 18", Details? Da ist nicht viel um.
Weiter ging es bei mir mit M71. Ich mag dieses "Wölkchen von Sternenstaub" halt sehr.
Nun hatte ich M11 im Okular, ist ja ein wunderschöner offener Haufen.
M13 durfte ich auch im 18" bewundern. Niki hat ziemlich hoch vergrößert. Ja, ein durchaus vertrauter Anblick. Und zwischen den Sternen findet man immer noch einen Nebel von unaufgelösten Sternen. Im 5,7" MN vergrößerte ich den Kugelhaufen nicht gar so hoch, nur so weit, dass sich ein nettes Bild ergibt. Ich darf ja auch mal einfach "schön spechteln"..
Interessant wurde es mit M92. Karin sah dieses Objekt in meinem 5,7" MN und konstatierte orangefarbene Sterne. Tatsächlich, im äußeren Bereich, wo die Sterne nicht so dicht stehen, gibt es ein paar rötliche Sterne.
M57, beziehungsweise dessen Umgebung, hat mich etwas länger beschäftigt. Für mich ist diese Himmelsregion ein Test, wo stehe ich mit meiner Beobachtung. Etwas belastet waren meine Augen doch, ich war noch etwas im Schlaf Rückstand von vorher gehenden Aktionen, und die Fahrt gegen die tief stehende Sonne bei der Anreise war auch nicht sehr angenehm. So, was geht? Mit der Dreierkette habe ich etwas gekämpft. mal da was, mal dort was aufgepickt, letztlich doch alle drei. Ich sage drei, obwohl ich weiß,. dass der 15 mag "Stern" in Wirklichkeit doppelt ist, man ihn aber nicht so leicht auflösen kann. Damit halten wir also bei 15 mag, 14,7 mag und 15,3 mag. Fallweise blitzte am anderen Ende des Ringes vom 13 mag Stern aus gesehen ein Punkterl auf. Das ist der 15,6 mag Stern. Und: zweimal streifte ich goldrichtig über den Ringnebel, blitzte der Zentralstern auf. Gar oft habe ich den M57 Zentralstern wirklich nicht im 5,7" MN gesehen - der Zentralstern wird üblicherweise mit 15,8 mag angegeben, das ist die fotografische Helligkeit. Die V-Helligkeit beträgt 15,3 mag. Generell wird häufig gezweifelt, ob man den Zentralstern in kleinen Teleskopen sehen könne, und wenn, bräuchte man dafür sehr hohe Vergrößerung. Mitnichten, an diesem Objekt habe ich mich schon genug "abgearbeitet".
Gar so schlecht ist diese Ausbeute nicht, aber ich kann sagen, es ist schwieriger geworden, alles zusammen zu klauben.
Niki hatte auch gerade M57 im 18". Ich stiftete ihn an, mal den OIII Filter rein zu geben, und runter mit der Vergrößerung, damit wir möglichst viel Licht hätten. Ich war scharf auf die H-Alpha Rosette. Diese war einst im 25" Dobson ja grandios da. Mit meinem C11 habe ich schon die halbe Rosette geschafft. Was geht mit dem 18"? Etwas schwach, aber rundum war sie da. Allerhand. Ein für mich neuer Eindruck im 18".
Nun wollte ich schönes Objekt wieder mal sehen, M17, Omega Nebel. Schon ohne Filter wunderschön im 5,7" MN, als "schwimmender Schwan". Mit dem UHC Filter war dann der Umkehrschwung vom Schwanz des Schwans zu sehen. Im 18" aber auch nicht mehr in der Ausdehnung. Wieder hat Niki Konkurrenz vermutet. Der 18" hat mehr Licht, ganz klar, daher sind Strukturen viel leichter erkennbar. Was ich noch sagen wollte, hier habe ich von den Eudiascopic Okularen auf die Morpheus umgestellt.
Ein Objekt, dass ich auch sehr mag, ist der Planetarische Nebel NGC 6905, auch als "Blue Flash Nebula" bekannt. Ein kleines Ding, da muss man schon in die Vergrößerung gehen. Niki hat bei mir mit geschaut, und gemeint, warum da alles so scharf sei. Einfache Anwort: gute Optik, passendes Okular.
Lust hatte ich wieder einmal auf den Cirrus Nebel. Der östliche Bogen, NGC 6992 war im 27 mm Panoptic mit OIII Filter vollständig zu sehen. Für mehr Details, muss man schon in die Vergrößerung gehen. Immerhin, schöne Darstellung für den kleinen 5,7" MN. NGC 6960 ist der westliche Teil, etwas herausfordernder. Der "Stiel" des "Hexenbesens" ist leichter auszumachen, der breiter auffächernde "Besen" war definitiv da, aber nur sehr schwach.
Niki borgte sich von mir den Lumicon UHC Filter aus. Dafür durfte ich NGC 6992 und NGC 6960 im 18" bewundern - vertraute Anblicke. Schöne Strukturen, mit ausreichender Helligkeit.
Ein typisches Objekt für mich muss ja auch noch sein: NGC 1905. Es ist ein fast stellarer Planetarischer Nebel, man sieht einen nicht gar so schwachen "Stern", der isoliert steht, nicht irgendwie in Gruppe mit anderen. Wenn man den indirekt richtig erwischt, erscheint er etwas dicker, also ein Verhalten, das andere Sterne gleicher Helligkeit nicht zeigen. Für Niki war nichts zu sehen, was mich nicht wunderte. Karin hatte uns schon verlassen.
Mein letztes Objekt war der Kugelhaufen M15. Nur ein nettes Ding zum Abschluss. Nach Pease 1 zu angeln, dafür war ich zu müde.
Was ist aus meinem etwas mißglückten Aufbau geworden? Letztlich hatte ich kein Problem, meine Objekte zu finden. Mit Sync kam ich von einem zum nächsten Objekt gut zurecht. Starke Drift hatte ich auch nicht im Okular, also halb so wild die Sache, es war halt nicht perfekt.
Noch ein Blick zum Sternenhimmel: So toll sah es nicht mehr aus. Im tiefen Einschnitt des Horizonts im Süden versackte die Milchstraße in einem aufgehellten Sumpf. Mag sein ein Dunstfeld, und ganz sicher war dort in frühen Jahren der Himmel dunkel. Fakt, die Ebenwaldhöhe ist immer noch gut, aber nicht mehr das, was sie einst war.
Ich räumte alles zusammen, baute mein Teleskop ab, verstaute alles im Auto, und verabschiedete mich. Niki war auch am Abbau, bei dem 18" Dob ist ein bisschen mehr zu tun.
Die Heimfahrt über Wien war ein Fehler. So lange Baustellen Bereiche, also da hätte ich besser wieder den Weg über die Klammhöhe rauf nach Tulln genommen, so wie ich angereist bin.
Howdii