Partielle Sonnenfinsternis

12. 8. 2026, Mistelbach

Diese partielle Sonnenfinsternis war in den Medien groß angekündigt, da es doch eine ziemlich starke Bedeckung der Sonne durch den Mond geben würde. Da es in die Abendstunden fiel, hatten auch viele schon frei und konnten dem Ereignis folgen  - bei passendem Wetter, selbstverständlich. 

Ich war mit einem meiner befreundeten Kunden in Kontakt. In Wien, habe ich ihm gesagt, wirst du es vom Garten aus nicht beobachten können. Ich lud ihn ein - wir haben hier mehrere Plätze mit freiem Westhorizont, und das Wetter sollte auch passen, hier im Weinviertel. Die Sache war also ausgemacht. und wir trachteten, uns so früh wie möglich zu treffen, und raus zu fahren, damit wir auf jeden Fall unseren bevorzugten Stellplatz einnehmen könnten.

Meine Ansage, wir sollten um 18 Uhr MEZ schon oben sein, auf dem Höhenrücken östlich von Mistelbach. Ernst und seine Frau waren rechtzeitig da. Ich hatte mein Zeug schon im Auto, also starten wir gleich los. Ein paar Autos standen beim Container, mein bevorzugter Stellplatz im breiten Anstoßbereich eines Güterwegs war frei. Der Kirchturm ist von dort aus ein recht guter Indikator für die Südrichtung, demnach umgekehrt auch für die Nordrichtung. Sicherheitshalber hatte ich auch einen Kompass dabei, damit konnte ich Ernst aushelfen, der doch ein paar Meter neben mir aufbaute. 

Beim Aufbau meines Teleskops gab es ein Hoppala. Ich hatte den 100/800 Fluorite Triplet APO mit, das Baader Hartholzstativ und die iOptron ieq45. Soweit alles gut, bis ich alles verkabelte, und die Montierung einschalten wollte. Ohne Wirkung, keine LED, kein Pieps der Handbox. Verflixt, habe ich mit diesem Kabel noch einen Test mit dem Celestron NexStar 130 SLT gemacht, und der hat das schon etwas angeknackste Kabel offenbar endgültig "erwürgt". Da aber Ernst da war, der auf mein Teleskop aufpasste, fuhr ich kurzerhand nochmal heim, ein anderes Kabel zu holen. Mit dem klappte es dann, die Beobachtung konnte starten. Also erst muss man mal die Sonne einfangen. Meine Methode ist, am Tubus entlang rundum Schatten zu haben. Die Sonne hatte ich noch nicht im Okular, so nahm ich das Okular mal raus, da sah ich die Sonne schon, brauchte sie nur mehr zentrieren. Es war noch ein paar Minuten Zeit vor dem ersten Kontakt.

Ernst hatte sein Lunt HA Teleskop aufgebaut, Dazu braucht es halt keinen Sonnenfilter, ich hatte meinen alten Sonnenfilter mit Baader Astro-Solar Folie drauf. Also Beobachtung bei mir im Weißlicht, Photopsphäre, bei Ernst im HA Licht, Chromosphäre der Sonne. 

Während wir die Vorbereitungen voran trieben, kamen mehr und mehr Leute, um ebenfalls die Sonnenfinsternis zu beobachten.

Warten auf den ersten Kontakt: Man weiß, dass es in den nächsten Augenblicken los geht, blickt ins Okular, und auf einmal ist der Mond da, und hat der Sonne schon ein kleines Scherzel "abgebissen". Weil ich selbst ins Okular blicken wollte, und auch anderen den Blick durchs Okular ermöglichen wollte, konnte ich die Kamera nicht direkt ans Teleskop anschließen. Dann bleibt nur die afokale Fotografie. Leider hat sich meine Olympus E-PL1 etwas zickig verhalten. Dieses Anwendung konnte meine Sony DSC-V1 besser.

Der Mond "arbeitete" sich voran, und verdeckte immer mehr Fläche der Sonne. Das Licht wurde, nach und nach fahler. Dadurch hatte die Kamera dann mehr und mehr Probleme noch zu fokussieren. Dazu kommt noch die Extinktion der Atmosphäre, wodurch ja die sehr tief stehende Sonne rot erscheint.

Die ganze Zeit über kamen mehr und mehr Leute. Es sah da oben auf dem Berg schon nach Volksfest aus. Sogar das Bundesheer war auf einmal da. Hätten Würstel und Bier noch gefehlt, dann wäre es "perfekt" gewesen... Es war recht angenehm, nicht heiß, zu Beginn etwas windig, und trotz Gedränge verlief alles ruhig, nette Menschen rundum.

Die Sonne sank tiefer und tiefer, im Okular sah man nur mehr eine schmale Sichel. Auf einmal sprudelten die Rotorblätter einer Windkraft Anlage am Horizont durch das Sonnenbild. Tief unten am Horizont lagen Wolken. Letztlich setze die schmale Sichel der Sonne zur "Landung" an, ein Stückel war schon unter dem Horizont. Dann ging es schnell, und die Sonne war weg.

Nach Untergang der Sonne lichtete sich das Feld. Nach und nach verließen die Besucher den Ort. Ernst hatte weniger Zeug einzuladen, und verabschiedete sich bald. Ich war noch mit dem Abbau meines Teleskops beschäftigt. Ein älteres Ehepaar kam vorbei und es entsponn sich eine nette Plauderei. Ich klärte auf, dass der helle Planet am Westhimmel die Venus ist. Und dann waren wir auf einmal bei der Quantenphysik. Nun, das wird immer wild, was die Leute so aus den populärwissenschaftlichen Dokus im Fernsehen mitnehmen. Ich bin ja auch kein Quantenphysiker, aber mein Wissen darüber ist doch ein bisserl gesetzter.

Sehr oft verlasse ich als letzter einen Beobachtungsort, dieses mal nicht, es waren immer noch ein etliche Leute oben, die wohl die Abendstimmung genießen wollten. Ist ja ein schöner Platz mit guter Rundumsicht. Als ich letztlich raus fuhr und auf die Straße abbiegen wollte, sah ich wen winken, das Ehepaar, mit dem ich ein bisschen geplaudert hatte.

Das Wetter hatte gehalten, nur tief am Westhorizont ein paar Wolkenstreifen. Der Wind hatte sich komplett gelegt.

So, und nun noch ein paar Bilder, es sind Dokumente, die die Erinnerung stärken. Es sind keine Meisterwerke, da ich das erste Mal mit der Olympus afokale Fotografie probiert habe. Durch das schwächer werdende Licht war es noch ein wenig schwieriger, ich musste das Aufnahmeprogramm der Kamera auch mehrfach anpassen, damit überhaupt was ging.

18:27 - der Mond hat sich schon ein Stück vor die Sonne geschoben

18:41 - der Bedeckungsgrad mnimmt zu

18:59 - das Licht in der Umgebung wird merklich fahler.
Die Sonne steht schon recht tief und wird von den dichteren Luftschichten etwas zerzaust


19:03 - die Sonne ist schon stark gerötet und
Wolkenstreifen am Horizont machen sich bemerkbar

19:05 - die Sonne knapp vor dem Untergang, stark gerötet
Wolken verdecken ein Stück und der Flügel eines Windkraftwerks rudert durch das Sonnenbild

Die Stimmung nach Sonnenuntergang. Dort wo die stark verfinsterte Sonne untergegangen ist, leuchten die Wolken dennoch gleißend hell


Howdii