Der Himmel zeigte sich gegen Sonnenuntergang hin wolkenlos. So fing mein letzter Bericht an. Diese Situation traf auch auf den 14. Juni zu. Nur, dieses mal war eine klare Nacht von GeoSphere Austria (g'schraufter Name, ehem. ZAMG, halt sperriger Name) und meteoblue prognostiziert. Das sollte halten, soweit war es auch dem Satbild zu entnehmen. Ich war schon vorbereitet, anzugreifen. Mit Andi war ich in Kontakt, er wollte aber nicht mitkommen, sondern daheim aufbauen und die SN 2023gfo in der Spiralgalaxie NGC 4995 fotografieren.
Gegen 20:30 MESZ begann ich mein Zeug ins Auto zu laden. Die iOptron CEM60, das C11, das Berlebach Stativ, Zenitspiegel, Okulare, etc. Wohin? Der Wind sollte nur schwach sein. Ich fuhr gegen 21 Uhr ab, und steuerte meinen Beobachtungsplatz östlich von Niederleis an.
Es war noch frühe Dämmerung, als ich ankam. Abendfrieden, Ruhe, nur Geräusche der Natur, und ein leichtes Lüfterl aus Nordost. Ich positionierte mein Auto entsprechend, und stellte das Stativ daneben auf, da befand ich mich im Windschatten. Zeit war genug, deswegen ging ich die Sache geruhsam an. Es war mein erster Einsatz seit längerer Zeit mit der CEM60, da hat man schon eine gewisse Prozedur abzuwickeln, und sollte keinen Fehler machen.
Kaum hatte ich die Montierung auf dem Stativ, fand ich im Polsucher auch schon den Polarstern. Etwas schwierig, aber er war doch schon da. Die Polhöhe musste ich ein wenig anpassen, um im Bereich dessen zu sein, wo der Polarstern dann hin muss. Letztlich, als das C11 schon aufgesattelt war, war der Himmel immer noch zu hell, dass die Polsucher Beleuchtung etwas gebracht hätte. Im Gegenteil sie war hinderlich, ohne konnte ich die Markierungen im Polsucher besser erkennen. Letztlich war alles fertig aufgebaut, doch der Himmel noch immer viel zu hell.
Kaum stand das Teleskop da, drehte der Wind auf Nord. So, jetzt bekam ich ihn erst recht ab, aber, der Wind wirklich schwach. Und wenn er so schwach weht, dreht er auch mal. Also vielleicht doch kein großes Problem.

Das C11 auf der iOptron CEM60. Am Horizont direkt rechts daneben, die Buschberg Radar Kuppel, und weiter rechts die auf dem Steinmandl
Nun war Warten angesagt. Ein paar Restwolken waren am Horizont erkennbar, im Norden, im Westen, im Süden, aber so tief, dass ich nichts befürchten musste. Es sah danach aus, dass ich mit der Beobachtung starten würde können, sobald es dunkel genug geworden ist.
Die ersten Sterne wurden sichtbar, Arktur, Spica, zum Beispiel, so dirigierte ich das Teleskop gleich auf Spica, zwecks Stern Alignment, und sofort weiter auf die Galaxie NGC 4559. Die Vergrößerung lag bei etwa 110x. Sofort erkannte ich die beiden helleren Feldsterne, und während ich das Feld per Handbox ein bisschen verfuhr, stach mir aus dem Augenwinkel auch ein schwaches Bemmerl ins Auge, die NGC 4995. Ich blieb mal dran, sah immer wieder ins Okular, wie die Sicht gediehen war. Der Himmel war immer noch zu hell.
Derweilen nahm ich Kontakt mit Andi auf. Er war auch schon an der Arbeit, die NGC 4995 zu fotografieren. Leider, während man wartet, dass der Himmel dunkler würde, sinkt auch das Objekt langsam tiefer. Also besser wurde die Sicht nicht wirklich. Ich griff zu einem anderen Okular, die Vergrößerung lag nun bei etwas über 130x. Das hat geholfen, ich konnte das Zentrum der Galxie wieder öfter erwischen. Und da deuchte mir einmal, da war doch ein Punkterl nahe dran, das könnte die Supernova gewesen sein.
Zumindest war ich besser vorbereitet, und griff nun zu meinem Schummelzettel. Eine Handskizze mit den beiden helleren Feldsternen, der Galaxie relativ dazu, die Lage der Supernova, und die schwächeren Feldsterne in der Umgebung. An diese ging ich nun ran, und konnte sie abklappern. Das brachte mir mehr Zuversicht, dass ich die Supernova wohl knacken können müsste. es gab da einen schwachen Feldstern direkt östlich der Galaxie, und speziell eine Dreierkette südöstlich konnte ich sicher erkennen, ein paar andere Sterne östlich bis auf Höhe der Galaxie auch. Ich war da also auf dieser Dreierkette, bei mir im Okular oben, und ließ meinen Blick langsam nach unten gleiten. Da, perfekt getroffen, hatte ich das Bemmerl des Galaxie Zentralbereichs, und gleich daneben das Punkterl, gar nicht sooo schwach, die Supernova. Aha, so geht das, diese Aktion wiederholte ich gleich noch einmal, und wieder traf ich perfekt drauf, das war die Bestätigung. Und das, was mir einmal flüchtig aufgefallen war, muss die Supernova gewesen sein. Es gibt schlicht keine so hellen Sterne in allernächster Umgebung knapp westlich und südlich der Galaxie. Ich blickte auf die Handbox der Montierung, die Zeit kommt dort per GPS: 22:55 MESZ. Die Supernova 2023gfo war sozusagen bei mir "im Kasten".
Puh, gar nicht so leicht, das war durchaus anstrengend, und hat doch viel Zeit gekostet. Es ist halt die Galaxie eher klein, das Zentralgebiet noch kleiner. Die etwas höhere Vergrößerung war durchaus hilfreich. Und man muss dieses kleine Ding dann schon optimal mit indirektem Blick treffen. Nun war für mich eine Pause notwendig. Ich fragte derweilen bei Andi nach. Er hatte die Galaxie mit der Supernova auch schon auf dem Computer Bildschirm.

Andis Foto von NGC 4995 mit der Supernova 2023gfo. C8 @ f/6.3 auf EQ5 Goto, Canon 600Da, 20x 2 Minuten, ISO 1600
Die Supernova im obigen Bild liegt etwas rechts unterhalb
(südwestlich) des Galaxiezentrums, dort wo der Balken in den
Spiralarm übergeht.
Mittlerweile war der Wind ganz eingeschlafen, um später wieder zu kommen, sehr schwach, aus NNW. Aber kurz darauf war es erneut windstill.
Weiter zu NGC 4568. Ich hatte nun die zuletzt genutzte Vergrößerung, also etwas mehr als 130x. Die beiden Galaxiekerne sah ich sofort, und mit flächigem Blick auch etwas "Nebel" drum herum. Nur, mit dem flächigen Blick wird es nichts mit der Supernova. Ich holte meinen Schummelzettel heraus, sicher ist sicher. Die Orientierung im Feld hatte ich, die Lage der NGC 4568 auch. Jetzt müsste ich nur die Längsachse lang schauen, grob gesagt Richtung Süden, dann müsste ich die Supernova haben. Einmal erwischte ich schon ein schwaches Punkterl. Das könnte, müsste die Supernova sein. Vielleicht hilft höhere Vergrößerung. Ich ging auf knapp 200x. Nun war der Himmelsgrund deutlich dunkler, die Galaxien merklich größer dargestellt, das erwies sich als hilfreich. Ich konnte die Lage der NGC 4558 viel leichter sehen, und schielte mit indirektem Blick da lang, grob gesagt gegen Süden, und zack, war da die Supernova, und ein zweites mal auf gleichem Weg auch noch. Der nächste etwa gleich helle Stern, den ich auch sah, ist sehr weit von der Galaxie entfernt, die flüchtige Sichtung war demnach auch die Supernova. Na bitte, doch geknackt. Aber, die Supernova 2023ijd war fast noch schwieriger als die vorher beobachtete, sie erschien mir deutlich schwächer.
Insgesamt, einen "Spaziergang" hatte ich nicht gerade erwartet, waren diese zwei Beobachtungen doch schwieriger als angenommen. Es war etwas zäh, es bedurfte vieler Versuche. Die nächste Pause hatte ich mir redlich verdient. Meinen Erfolg meldete ich auch sogleich an Andi. Er hatte noch die NGC 4995 in der Mangel, Aufnahmen aufsammeln. Er klagte über zig Satelliten Spuren, auch ein Flugzeug hatte das Feld gequert. Genau gesagt, mir sind auch bei meiner Beobachtung etliche Satelliten aufgefallen, die mein Feld gequert hatten. Auch bei der NGC 4568 einmal.
Weil sie mir letztens gut gefallen haben, ging ich auf die drei schönen Kugelhaufen im Schlangenträger. Erst bei etwa 100x - M10, nett, viele hellere Sterne, M12, ein paar hellere und viele schwächere Sterne, und M14 (extrem dichter Kugelhaufen, relativ gleiche Sternhelligkeiten) konnte ich deutlich grießlig sehen, im Randbereich auflösen. Dann gleich da mal mit 200x drauf. Oh ja, jetzt konnte ich Sterne quer über M14 auflösen, aber es blieb ein mildes Licht unaufgelöster Sterne. M12, da war ebenso ein mildes Leuchten von unaufgelösten Sternen, ein bisserl angrießeln konnte ich etwas davon. Bei M10 war ebenso ein mildes Licht von unaufgelösten Sternen da, das wollte aber nicht mal ein bisserl Grieß zeigen. Immerhin schöne Eindrücke und Erkenntnisse.
Der Wind lebte plötzlich wieder auf, von Nordwest eher, und war etwas stärker als nur ein Lufthauch.
Irgendwie juckte es mich, noch auf M101 drauf zu halten. Die Supernova war freilich leichte Beute, auf den ersten Blick sichtbar. Ansonsten, der Anblick bei etwa 130x, enttäuschend. Auch M97 war nur ein fahles Leuchten, schlechter Kontrast zum Himmelsgrund. Da gibt es diesen Howdii, der jüngst einen Bericht geschrieben hat, was er nicht alles an diesen beiden Objekten mit einem C8 gesehen hätte. Kennt den wer? Wer ist denn der? Was kann denn der? Ich steh da mit einem C11, bitte, und sehe nicht annähernd das...
Die Auflösung: SQML Wert im Zenit in der besagten Nacht: 21.25 mag/arcsec2. Der Wert für diese Nacht: 20.30 mag/arcsec2. Damals M101 und M97 im Zenitbereich, dieses mal stand UMa schon tiefer im Nordwesten. So relativieren sich die Dinge. War es verwegen mit einem C8 letztes mal auf die Supernova Jagd zu gehen? Nun ja, bei dem Himmel, der sich nach Abzug der Wolken präsentierte (wenn man den Messwert direkt umrechnet, sind das 6.5 mag), vielleicht nicht, so ich früher beginnen hätte können. Der nun schlechtere Himmel (nach Umrechnung 5.8 mag), merklich aufgehellter, der Lichtdom von Wien auch wesentlich ausladender, da hätte ich mit dem C8 nichts gerissen in Hinsicht Supernova Beobachtungen. Es war mit dem C11 schon schwierig genug.
Nach dem ich alles im Auto verstaut hatte, ging ich noch mit Canis Maior ein Stück des Weges und dann wieder zum Auto zurück. Die Schildwolke war zu sehen, aber weit nicht so dramatisch wie in der letzten Nacht bei Schrick drüben. Unterhalb der Schildwolke gar nichts mehr von der Milchstraße. Auch im Schwan die Milchstraßenwolken nur ein Abklatsch von dem, was es in der letzten Nacht eben dort war. So relativieren sich die Sachen.
Die Supernova 2023ijd in NGC 4568 hatten wir schon in einem Bericht.
Die Supernova 2023gfo in NGC 4559 ist ebenfalls vom Typ II, wurde am 20. 4. 2023 via ATLAS (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System) entdeckt, einer Survey, die eigentlich auf etwas anderes fokussiert ist, aber solche Dinge wie Supernovae können durchaus ins Netz gehen.
Die Helligkeiten der beiden beobachteten Supernovae zum Beobachtungszeitraum zu ermitteln, schwierig, weil keine aktuelleren Daten zu finden waren. Es sind beide schon über ihr Helligkeitsmaximum hinüber, das Interesse daran lässt offenbar nach. Ich schätze mal grob, die SN 2023gfo in NGC 4559 könnte etwa bei 15.5 mag gewesen sein, die SN 2023ijd in NGC 4568 hingegen eher bei 16 mag. Einen schwachen Stern gegen dunklen Grund, hoch am guten Himmel, kein großes Problem, für ein C11 auch 16 mag nicht wirklich. Eine Supernova liegt halt immer in einer Galaxie, man hat daher keinen wirklich dunklen Grund, was eine Kontrasteinbuße darstellt, wenn auch gering. Dazu kommt die tiefe Position, man schaut durch mehr Atmosphäre durch, die Extinktion nimmt etwas Licht weg. Und nicht zuletzt, Supernovae im Nachleuchten werden rot. Das steht gegen die maximale spektrale Empfindlichkeit des nachtadptierten Auges, auch hier ein Verlust.
Man verstehe mich nicht falsch: Ich will mich nicht beklagen, dass mir das Licht im C11 schon ausgegangen wäre. Das sicher nicht. Mit der größeren Öffnung ist das Bild heller, auch der Himmelsgrund im Okular. Man sucht höhere Vergrößerung, um besseren Kontrast zu erreichen. Damit ist auch alles größer dargestellt, weiter auseinander. Das Auge muss weitere Wege abfahren, dabei ist das Feld, wo man indirekt "goldrichtig" gut drauf ist, sehr klein. Man muss sich wirklich alles zusammensuchen. Das ist die Schwierigkeit, weil das Auge ziemlich hilflos herumschwimmt und einen "Halt" sucht. Kaum hat man einen gefunden, geht es auch besser voran. Wenn man das Ziel dann am Wickel hat, ist es freilich relativ leicht zu sehen,. Nur, es mal so einzufangen, darin liegt der Hase im Pfeffer.
Howdii