M108 bei Halbmond Himmel

10. und 11. 3. 2022, Mistelbach

Letzens hatten wir auf M97 drauf gehalten. Da gibt es gleich in nächster Nähe, zumindest auf Sternkarten, die Galaxie M108. Für visuelle Beobachter ein durchaus lohnendes Objekt, weil relativ hell, und schon mit moderat größerer Öffnung sieht man Strukturen. Eigentlich sind wir am 10. März in die Sternwarte gegangen, um eine Routine Session einzulegen, mehr war nicht zu erwarten, zumal der zunehmende Halbmond zwischen den Hörnerspitzen des Stiers stand. Da die M108 Galaxie relativ kompakt ist, haben wir sie als Ziel auserkoren. Mal sehen, was das digitale Auge am mondhellen Himmel ausrichten kann.

Um etwa 19 Uhr begann ich mit den Vorbereitungen. In der Sternwarte, auf der Südseite des Hauses, war der Wind zwar spürbar, aber weit weniger als vor dem Haus - kein Wunder bei Wind aus NNO. Meist nur ein Lüfterl, aber dann wieder ein paar mehr oder weniger heftige Windstöße. Gut, wir haben unter solchen Bedingungen schon erfolgreich gearbeitet, sollte auch heute klappen. Was unvermeidbar war - der vom Mond aufgehellte Himmel. Ganz so klar, wie der Himmel am Tag, war es nun nicht. Schon das Satbild hatte gezeigt, dass sich Dunstfelder ausbreiten. So hatte der Mond einen leicht rötlichen Hof.

Andi kam etwa um 19:30 Uhr zu mir. Er konnte umgehend sein Notebook starten und alles verkabeln. Gleich gab es ein Hoppala, die Kamera war betriebsbereit, doch SharpCap erkannte die Kamera nicht. Erst nach einem Neustart des Rechners war alles soweit in Ordnung, dass wir los legen konnten. Erst noch ein Stern zum Fokussieren, und dann die Flatbox vorn auf den Newton drauf. Offenbar ist der Regler etwas verstellt gewesen, es reicht ja wirklich nur ein Hauch, braucht nur ein Kabel dran reiben. Das Zeug ist so heikel einzustellen, man muss geduldig sein. Schließlich hatten wir's aber, sah gut aus. Die Flats wurden somit gezogen, und dann gings auf zum Objekt. Freilich war noch der Guider zu kalibrieren und zu starten. Wir sahen die ersten Aufnahmen an, schien so weit zu laufen, und da einen der Wind bei eh schon nur 0° oder weniger rasch zermürbt, zogen wir uns ins Haus zurück. Es ist sowieso besser, wenn wir zwei als Wärmequellen uns aus dem Ambiente verziehen. 

Drei halbe Stunden hatten wir im Kasten. Mal sehen, was geht. Beim Antesten der Bilder: Oh Schreck, da hat wieder was mit den Flats nicht gepasst. Erneut helle Ecken. Zum Deixl eini, die Einstellung zum Ziehen der Flats muss aber gepasst haben, war nicht anders als beim letzten Einsatz, wo es wieder gepasst hat. Waren da nach dem Wechsel auf ein anderes Profil falsche Flats eingebunden? Rätsel. Na gut, das Objekt ist klein auf dem Sensor, und man braucht nur den Bereich um die Mitte. Also nicht alles verdorben...

Was soll man sagen: Hilfreich war der aufgehellte Himmel sicher nicht. Generell, da müsste man deutlich länger drauf halten. Die 30 Bilder im Stack waren auf jeden Fall zu wenig. Das Bild daher sehr verrauscht. Was halt zu retten war, ist übrig geblieben, ich war von dem Ergebnis nicht sonderlich erbaut.

Es ist halt wieder etwas schief gegagen, wir konnten es uns nicht erklären. Andi war daher drauf erpicht, nochmals einen Angriff zu starten, mal sehen was da los ist, und auf irgendwas zum Test drauf halten. So fanden wir uns am 11. März neuerlich in der Sternwarte. Bis Andi eintraf, hatte ich schon alles vorbereitet. Der Mond war natürlich nun schon einen Tag nach dem Ersten Viertel, und stand zu Füßen der Zwillinge - das Himmelslicht sozusagen etwas näher an unserem Ziel.

Nach Inbetriebnahme der Kamera sah Andi gleich mal in SharpCap nach, welche Flats aktiviert waren - es waren die neuen. Fix nocheinmal, warum hat es wieder nicht geklappt? Egal, versuchen wir es besser zu machen. Erst mal auf den Stern Merak zum Fokussieren. Und schon wieder ein Hoppala. Ich drehte am Feintrieb des Fokussierers, es tat sich wenig bis nichts. Andi wurde ungedultig und meinte, er könne es besser, es wollte aber auch nicht. Dann griff ich mal zufällig zu der Klemmschraube hin, hat sich die halb wieder reingeschummelt? Wohl hatte ich sie mal in einer der vorigen Nächte angezogen gehabt, aber auch wieder gelöst, und seither nicht mehr angegriffen. Kaum war dieses Problemchen gelöst, ward auch der Schärfepunkt rasch gefunden. 

Beim Erstellen der Flats ein neues Phänomen. Die Histogramm Anzeige hüpfte ständig ein bissl vor und zurück. Ich meinte, ist da noch irgendwas in den Settings drin, was nicht sein sollte? Andi verneinte, und teilte mir mit, dass es extra ein gespeichertes Profil sei, und dann, auf einmal ward ein Parameter gefunden, der Offset, stand auf 100 statt auf 50. So was aber auch. Das Hin und Her rutschen des Histogramm Peaks war deswegen nicht weg, wir probierten dennoch mal Flats zu ziehen, und, oh Wunder, das erste Testbild mit den neuen Flats war ok, keine hellen oder dunklen Ecken. Na gut. 

Ich schlug vor, halten wir doch nochmals auf M108 drauf, weitere Daten gewinnen, vielleicht geht ja noch was. So warfen wir die Serie an, Live-Stacks zu je einer halben Stunde, derer vier wir laufen ließen. Wir zogen uns recht bald ins Haus zurück. Es hatte schon Minusgrade, war aber absolut windstill. Daher spürte es sich gar nicht so kalt an. 

Als wir zurück in die Sternwarte kamen, war die vierte Serie fast gelaufen. Die paar Minuten warteten wir ab. Dann ging es ans Abbauen. Und sobald das Dach der Sternwarte geschlossen ist, ist es auch gleich wieder ein wenig angenehmer drin. Während Andi die Daten auf den USB Stick schob, damit ich damit spielen würd können, sah er die gespeicherten Summenbilder schnell durch. Schien alles ok.

Für mich war nun interessant, ob Fitswork die Bilder zweier Nächte stacken kann. Wobei die Kamera sicher eine leicht andere Orientierung hatte. Aber siehe da, kein Problem. Mit zwei markierten Sternen ging es glatt, ich bekam ein sauber aussehendes Bild. Alsdann, die brauchbaren Flats haben sogar das Bild etwas verbessert, nur die äußersten Ecken spielten farblich und helligkeitsmäßig ein bissl verrückt. Und sofort war absehbar, das Rauschen ist stark reduziert, das wird ein anderes Bild.

M108: 8" f/5 Fotonewton auf der iOptron CEM120, ZWO ASI 2600 MC-Pro, 30x 3 und 40x 3 Minuten

Hier ist also das Elaborat. Nicht gar so übel. Und doch nicht nur ein Foto, es ist eine Beobachtung. Was sich da noch alles in diesem eher kleinen Ausschnitt an kleinen Fuzerln von Galaxien tummelt, es ist gigantisch. Ein Blick in die Tiefen des Universums. 

Was wir draus ziehen können? Auf die entgegengesetzte Seite halten geht auch bei Mondlicht, so die Nacht wirklich sehr klar ist. Wir müssen nur wissen, dass wir deutlich mehr Aufnahmen reinbuttern müssen, um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. 

Auch in dieser Nacht war der Mond mit einer kleinen Aureole "verziert", so wie gestern. Wir hatten aber auch bodennah etwas mehr Feuchtigkeit. Beim Spätausgang mit Canis Maior sah ich im Gras Eiskristalle glitzen. Da hatte es schon -7° C, aber es gab nur einen leichten Luftzug. Es war so durchaus ein angenehmer Ausgang mit Abstecher raus aus der Stadt, wo man doch einen etwas anderen Sternenhimmel sieht als hier in der Siedlung.

Howdii