Venus, Merkur, und der verflixte Komet C/2020 F8 (SWAN)

21. - 29. 5. 2020, Mistelbach

Am 21. Mai ergab sich ein klarer Abend, ich wollte wieder mal raus. Es gäbe Venus und Merkur, und tief am NNW Himmel sollte sich der Komet C/2020 F8 (SWAN) herumtreiben. Man hatte gehört, der Komet solle so hell werden, dass er vielleicht sogar freisichtig zu sehen sein würde. Also da schauen wir doch mal, was los ist. Ich war schon um 20:30 Uhr MESZ oben, auf dem Hügel östlich von Mistelbach. Venus war in der noch hellen Dämmerung schon zu erkennen. Aber für Merkur war der Himmel noch zu hell. Also ging ich ein paar Meter mit Canis Maior. Noch auf dem Weg, es war schon knapp vor 21 Uhr, konnte ich Merkur, etwa 1.5° tiefer als Venus am Himmel, erstmals vage erspähen. Leicht war es nicht, es gab noch genug Restwolken, die sich aber nicht gleich auflösten, sondern dünne Schleier hinterließen, die erst nach und nach verschwanden. Ich verlor Merkur immer wieder mal aus der Sicht. Später war es dann schon dunkler, Merkur gerade in einer wolkenfreie Zone und gut mit freiem Auge sichtbar. Dennoch ist er mir nochmals aus der Sicht entschwunden, weil ein dichterer Wolkenstreifen drüber zog. Egal wie, ich habe Merkur eindeutig gesehen. Mit den Ferngläsern (7x50 und 20x80), die ich mit hatte, war Merkur freilich kein Problem. Meist sogar durch dünnere Wolken hindurch wahrnehmbar.

Zeitgleich und unabhängig von mir, hat Andi in Ladendorf Venus und Merkur beobachtet und fotografiert

So, meine Aufmerksamkeit galt nun dem Kometen C/2020 F8 (SWAN). Der Komet stand laut Stellarium etwas östlich der Linie Mirfak - Algol. Östlich dieser Linie findet man einige schwächere Sterne in leichtem Bogen verlaufend, und wiederum etwas östlich davon, etwa mittig zu diesem Sternenbogen, sollte der Komet stehen. Mit dem 7x50 Glas holte ich mir die Orientierung, um mit dem 20x80 nachzustechen. Also ich war auf der Suche nach, eh schon wissen, einem Komet. Man stellt sich da ein nebeliges Knöderl vor. Nur, so etwas war nicht zu wollen. Nichts da, aber schon gar nichts. Letzlich war es schon so spät geworden, das Himmelsgebiet stand schon so tief, also das wird sowieso nichts mehr. Ich gab auf.

Was schön mit freiem Auge zu sehen war: Die schmale Mondsichel mit Erdlicht, also auch die unbeleuchtete Seite des Mondes sichtbar.

Am 26. Mai hatte ich wetterbedingt die nächste Chance auf den Kometen. Merkur hatte ich ja gesehen, und Venus war mittlerweile vom Abendhimmel so gut wie verschwunden. Der Komet sollte nun schon etwas höher stehen, also eher eine Chance, ihn zu finden. Und: Die Position war eindeutiger. Ich hatte da ein Dreieck aus helleren Sternen, und noch einen 6.7 mag Stern als Referenz für die Position. Also das konnte ich genau ansteuern. Mit dem 20x80 war da aber nichts von einem Kometen zu sehen, ich fand dort ein stellares Objekt. Der 6.7 mag Stern war übrigens um einiges schwächer. Also, wenn dasder Komet sein soll, dann ähmm, da kommt mir noch was zu meiner Beobachtung am 21. Ich kann mich erinnern, ein Sterndl gesehen zu haben, wenn ich richtig rekapitulere, die Position des Kometen etwa (auf der Sternkarte gibt es dort keinen helleren Stern), wo eben kein "Komet" zu finden war. Dann, ähm, hab ich ihn eh gesehen, aber nicht erkannt. So was. 

Ich hätte mich übrigens in den Allerwertesten beißen können. Den Wolken habe ich nicht recht getraut, gefürchtet, dass von Nordost her Nachschub kommt. Sagen wir so, der Himmel war so tief unten nicht ganz klar, es gab anfangs auch noch Wolken, die ich abwarten musste, bis sie abgezogen oder sich aufgelöst hatten (meist beides in einem). Und später zog auch nochmals ein größeres "Wollenschiff" durch, das mir nochmals den Blick verstellte. Dann blieb es klar Ich hätte sehr wohl mit einem Teleskop schauen können. Heimfahren und schnell einpacken, na, bis ich wieder komme, alles aufgebaut habe, ist es auch schon wieder zu spät. Also da haben wir noch eine Rechnung offen. Dieses Ding will ich schon noch im Teleskop sehen. 

Der 27. Mai könnte nochmals eine klare Nacht bringen. Wir hatten am Tag nur harmlose Quellwolken, die sich schon gegen Abend auflösten. Meteoblue zeigte aber teilweis bewölkten und später stark bewölkten Himmel an. Was jetzt? Ich rückte aus.. Ich hatte die alte iOptron ieq45 (ohne GPS Funktion) mit, und ein altes C8, das ich sowieso mal einem gründlicheren Beobachtungstest unterziehen sollte. Erst noch ein Blick mit dem 20x80 Glas auf die gestrige Position des Kometen. Aha, das "Sterndl" dort war weg. Na, dann wollen wir doch sehen, wie der Komet im Teleskop aussieht, daher gleich mit dem C8 auf die neue Position drauf.

Bis ich das Teleskop auf den Kometen positionieren konnte, verging allerdings etwas Zeit. Weil, ein Alignment auf Capella wollte die Steuerung nicht. Stand wohl schon zu tief. Dann halt Deneb. Ohne GPS muss ich ja Standort und Zeit/Datum selbst eingeben. Standort war von letztens, Niederleis, also neue Koordinaten eingeben. Und eben Datum und Uhrzeit. Fertig, dann los auf Deneb. Ups, das Teleskop schaut aber eher auf Gamma Cygni als auf Deneb. Was ist da los. Ich ging nochmals die Eingaben durch. Standort ok, Datum eigentlich auch, da nun Zeit vergangen war, gab ich die Uhrzeit neu ein. Teleskop zurück auf Zero Position schicken und nochmals auf Deneb. Oh, schaut aus, wir treffen. Im Sucher hatte ich Deneb, aber der Sucher war noch nicht auf das Teleskop justiert. Es dauerte so ein Weilchen, bis ich Deneb im Okular hatte, bis ich den Sucher dazu justiert hatte. Nun Capelle eben als Ziel anfahren. Im Sucher war sie schon zu sehen, ich konnte Capella im Okular zentrieren und einen Sync Befehl absetzen. Dann kramte ich den Zettel mit dem Kometenkoordinaten hervor, und gab RA/Dec ein. Das Teleskop fuhr wie erwartet ein Stückerl weiter. Ich blickte nun durchs Okular, und sah mal gar nichts. Etwa auf 2 Uhr Position im Feld, gegen den Rand zu erschien und verschwand ein schwaches Sterndl, mehr nicht. Ich nahm nochmals den 20x80 Feldstecher her, und - verdammt, Wolken. Also, was machen wir da? 

Ich versuchte, das Teleskop so mal zu lassen, vielleicht würde ich noch einen Blick ohne Wolken schaffen. Doch weit gefehlt. Es wurden eher mehr, auch sonst am Himmel die Abendthermik tätig, mehr und mehr Wolken. Der Mond war letztlich auch schon hinter Wolken. Ich sah ein, das wird nichts mehr, und schickte das Teleskop zu anderen Zielen, wo grad freie Sicht war. So kamen mir bei 74x folgende Objekte ins Okular: M13, M3, Albireo, M71, M27, M81, M82, M51 und M101. Der Himmel war natürlich dennoch vom Mond aufgehellt, es war ein müder 5 mag Himmel. Mit dem 5 mag Stern im Kasten von UMi hatte ich schon Mühe. Dennoch: An M51 konnte ich die Spiralstruktur "erahnen", und M101 erinnerte an eine Beobachtung vor vielen Jahren mit meinem 6" ARO Mak, in einer klaren Mainacht. Da sah ich um M101 herum auch diverse Knoten, aber nicht die Spiralarme. Es war diesmal ganz ähnlich. Irgendwann war der Himmel bummzu. Also einpacken, Rückzug.

Dichte Wolken und etliche Schauer im Weinviertel am 29. Mai. Meteoblue zeigte eine klare Nacht an. Wird es rechtzeitig aufklaren? Wirklich, gegen 20 Uhr war der Nordhimmel schon weitgehend frei. Ich packte mein Zeug ein und es ging hinaus, genau an den selben Schauplatz wie in den Tagen davor. Ich war schon um 21:15 Uhr draußen. Noch eine kleine Runde mit Canis Maior. Bis ich zurück beim Auto war, konnte ich den Polarstern schon mit freiem Auge finden. Dann los, Stativ raus, Montierung drauf und Teleskop. Wieder das alte C8. Diesesmal ging alles glatt, und wie gehabt: Alignment an Deneb, dann zu Capella, Sync, und zur Position des Kometen. Ich hatte Glück, der Horizont war wolkenfrei, und die Wolken, die noch einen Großteil des Himmels bedeckten, zogen sich mehr und mehr nach Süden zurück, gaben einen respektabel klaren Himmel frei. 

So, was nun mit dem Kometen? Es war noch zu hell. Ich sah zwei Sterne, die ich als Referenz in Stellarium ausgemacht hatte, auch im Okular. Fein. Und sonst? Ein schwaches Sterndl, sonst nichts. Als es dunkler wurde, kam mir der Verdacht, nahe der Bildmitte könnte etwas Nebeliges sein. Da war auch ein schwaches Punkterl drin. Also das? Ich holte mal das 17.5 mm Morpheus und stocherte mit höherer Vergrößerung nach. Ah, nicht ein Bemmerl dort, wo ich den Kometen vermutete, sondern zwei etwa gleich helle Bemmerl, rechtwinklig zu meiner Senkrechten im Okular, recht eng beieinander. Bei 114x aber nichts mehr nebelig. Ich blieb noch ein Weilchen drauf, keine weiteren Erklenntnisse, auch als ich wieder auf 74x zurückstieg. Zwischendurch nahm ich auch den 20x80 zur Hand, die zwei Sterne als Referfenz hatte ich, aber beim besten Willen, da war nichts vom Kometen, auch kein stellares Objekt. Im Teleskop hatte ich ja auch nur ein wirklich subtiles Ding eingefangen. 

Lassen wir das mal, ein bisserl Deepsky mit dem C8. M13, M57, M56, M71, M27 habe ich bei 114x angeschaut. Also speziell M13 und M71 haben mich schwer beeindruckt. Der Himmel im Okular war durchaus schwarz. M27 auch erstaunlich gut zu sehen, aber doch ohne Ohren. Was sonst noch besonders war: Halbmond, aber noch immer Erdlicht sichtbar! Kann mich eigentlich nicht erinnern, so etwas je gesehen zu haben.

Nun noch ein letzter Kontrollblick auf den Kometen. Ich fuhr die Position an, und bekam das mir bereits vertraute Feld zu sehen. Bei 74x nun auch nix mehr nebelig. Wieder drauf mit 114x. Das Objekt war klarerweise noch tiefer am Horizont, und das Seeing demnach noch schlechter. Es war schwierig zu fokussieren. Aber, ich schaffte es. Und: die zwei Punkterl dort, wo ich früher am Abend das neblige Ding gesehen hatte, waren nun etwas schräg zueinander und mit mehr Abstand. Aha, das ist also wirklich der Komet, der grad einen Feldstern passiert hat? Ein wahrhaft tolles Objekt. Weit gefehlt mit freisichtig. Kometen sind halt unkalkulierbar wie nur irgendwas. Menschliche Annahmen oder Wünsche helfen nicht weiter. Am Ende ist es das, was es ist. Die tiefe Position am Himmel, die sich hinziehende Dämmerung und der vom Mond aufgehellte Himmel haben natürlich die Sache nicht besser gemacht. Eines ist klar, diesem Kometen brauche ich nicht weiter hinterher zu jagen. Was mich aber stutzig macht, hatte ich das Ding doch als stellares Objekt mit etwa 6 mag im 20x80 gesehen, und binnen ein paar Tagen dann so schwach? Es gibt bereits Vermutungen, dass auch dieser Komet, nach dem C/2019 Y4 (ATLAS), zerfallen könnte. Es ist auch die Rede von einem "Doppelkern". Was ich auch in irgendeiner Weise beobachtet habe? Nur, da sich diese zwei Bemmerl relativ zueinander in sagen wir einer knappen Stunde doch ein wenig in der Position verändert haben, habe ich eher einen Feldstern in Verdacht. Allerdings, die Helligkeit der beiden Bemmerl war praktisch gleich.

Howdii