Meinen Firmenkollegen ist es natürlich nicht entgangen, dass ich als Amateurastronom vielfach nächtlich unterwegs bin. Es war schon eine eigene Gruppe, die sich hier zusammengefunden hat. Die Kollegen sind schon am Freitag nach der Arbeit ins Waldviertel aufgebrochen, ins Wochenendhaus einer Kollegin, wo noch eine Grillparty abging.
Wir trafen uns am frühen Samstag Abend in Niederranna, und fuhren dann weiter nach Norden, auf der Suche nach einem Stellplatz für die Beobachtung. Fündig wurden wir, natürlich musste ja ich wissen, was passt, auf einem asphaltierten Güterweg zwischen Wolfenreith und Habruck. Wir hatten auch drei Autos unterzubringen, meines, und eben die beiden meiner Kollegen, insgesamt sieben Personen. Und ich schau immer drauf, dass man auch an meinem Stellplatz noch vorbeikommt. Man weiß ja nie...
Am Anfang gab es noch teilweise Wolken, in Auflösung begriffen. Es herrschte seit einigen Tagen nach Durchzug einer Kaltfront eine kühle Strömung aus Nordwest, die Luft war tagsüber sehr klar. Die Nacht war kühl, kann man sagen, bis auf 10° C ist die Temperatur letztlich gesunken. Es gab nur zeitweise ganz leichten Wind, am Ende auch etwas Taubeschlag auf dem mattschwarzen Tubus meines Teleskops, dem 5.7" f/6 Maksutov-Newton.
Als ich mit dem Aufbau des Teleskops begann, konnte man schon erste Sterne sehen. Zwecks Poljustierung begab ich mich knieend an das Okular des Polsuchers meiner Vixen SP-DX Montierung. Da meinte ein Kollege, ob das die Anbetung des Polarsterns sei.
Ich startete die Demo für meine Kollegen mit der schmalen Mondsichel, bei 22x und 87x. Dann gab es in der zu Ende gehenden Dämmerung den Doppelstern Albireo (87x), und den "Double Double" Epsilon Lyrae (217x). Interessant, Leute schafften es durchwegs, die beiden Sterne jeweils doppelt zu sehen. Für eine Kollegin musste ich jedoch auf 434x gehen, vorher waren es nur "Striche".
Die beginnende Nacht zeigte sehr transparenten Himmel, das Seeing war brauchbar, aber nicht besonders gut. Weiter ging es mit der Vorführung von Himmelsobjekten: den Kugelhaufen M3 (87x, 217x) und M13 (87x, 145x). Ich zeigte meinen Kollegen auch M8, den Lagunennebel, bei 22x und 87x, mit UHC Filter. Zum Abschluss kam Jupiter dran. Ich schraubte den leichten Grünfilter ein, um die Beobachtung für die Kollegen zu erleichtern (145x). Um etwa 23:30 Uhr (MESZ) verabschiedeten sich die Leutchen und fuhren wieder runter nach Niederranna. Aufgrund des guten Himmels blieb ich, meine Beobachtungen zu tätigen.
Erstmals hatte ich ein bisserl Zeit, mich umzusehen. Nach Süden zu ist es recht dunkel, das rote Licht des Jauerling Senders ist von hier aus sichtbar. Im Osten etwas Aufhellung am Horizont, Weißenkirchen, Krems, und ja, auch Wien. Komplett wolkenfrei war der Himmel nicht, tief im Osten bis Südosten hingen einige Wolken.
Jupiter stand nun höher, so konnte ich doch bis 217x vergrößern, der Grünfilter war aber hilfreich. Das NEB zeigte zwei Streifen dicht nebeneinander, einige Knoten, einige Fähnchen. Das SEB war ebenfalls doppelt, aber wesentlich schwächer ausgeprägt. Der Südpol zeigte feine Bänderung, der Nordpol war einheitlich graubraun.
Saturn stand noch zu tief, um Details beobachten zu können.
Der Nordamerikanebel (NGC 7000) stand bei 22x mit [O III] Filter wie ausgestanzt da, speziell die Golf-Region war eine Pracht. Und der direkt danebenliegende Pelikannebel (IC 5070): Erstmals konnte ich hier Strukturen erkennen, den dunklen Einschnitt, der den Schnabel des Pelikans vom Körper trennt!
Auch der Cirrusnebel war ein Genuss. Hier war die beste Vergrößerung 44x mit UHC Filter. An dem westlichen Teil (NGC 6960) beim Stern 52 Cygni sah ich erstmals den südlichen Abschnitt als zwei Linien auseinander laufen, phantastisch! Den großen Bogen östlich davon, NGC 6992, NGC 6995 konnte ich auch mit dem 7x50 Fujinon plus Nebelfilter sehen!
Nebelfilter wieder weg, M57, Ringnebel. Ich nahm mir mal Zeit, etwas die Gegend mehr zu inspizieren. Was ich da noch für schwächere Sterne entdeckte! Erstmals bin ich bis 14.1 mag vorgestoßen! Sagen wir so, diesen Stern habe ich nicht bewusst gesucht, er ist mir aufgefallen. Ich habe erst hinterher recherchiert, dass es ein 14.1 mag Stern ist.
Es war etwa 1:30 Uhr (MESZ), als auf einmal ein Auto des Weges kam. Es blieb stehen, die Lichter gingen aus. Ein Bursch stieg aus, der artig grüßte und sofort kapierte, was ich hier tat. Er entschuldigte sich fast, aber er war hier auf Schleichwegen unterwegs, weil er etwas getrunken hätte. Nun, gar so viel dürfte es eh nicht gewesen sein. Er war voll in der Lage, etwas bei mir mitzubeobachten, und sah auch, was es zu sehen gab. Zum Beispiel Saturn bei 145x, Jupiter bei 217x, M13 bei 217x, M11 bei 87x, und den Kometen Hale-Bopp (C/1995 O1) bei 87x - auch mein erster Blick auf den Kometen in dieser Nacht. Es war sicher meine beste Beobachtung des Kometen bislang. Die Stoßfront war gut zu erkennen, auch der "Kern", und die Koma erschien nach hinten zu verdächtig lang, man darf durchaus von einem Schweifansatz sprechen. Das fiel auch meinem Gast auf. Der Bursch war recht angetan, wollte mich aber nicht weiter stören, verabschiedete sich und fuhr weiter, sogar ohne Licht an mir vorbei.
Ich nahm mir nun die Gamma Cygni Nebelregion (IC1318) vor. Bei 22x mit UHC Filter konnte ich diverse Nebelkomplexe ausmachen. Am ehesten sind dies die Teile b, d, und e von IC 1318.
Nun noch auf den Crescent Nebel, NGC 6888: Ja, da war er, der hellere nördliche Teil, zwischen drei Sternen quasi "eingespannt".
Ich startete noch einen Versuch mit dem Cocoon Nebel (IC 5146). Also, den Sternhaufen hab ich wohl gefunden, mehrere Sterne gleicher Helligkeit, nicht sehr konzentriert. Nebel habe ich nicht wahrgenommen, ohne oder mit UHC Filter, egal. Den Dunkelnebel, wo er am Ende sitzt, konnte ich am besten bei 40x verfolgen.
M17 war auch eine Wucht. Bei 44x mit dem [O III] Filter bekam ich mehr Nebel zu sehen als je zuvor. Also nicht nur der "Schwan", der wirklich prächtig da stand, sondern auch der geschwungene Bogen vom Hinterende des Schwans wieder nach vorn, der dem ganzen Komplex ein hufeisenförmiges Aussehen gibt.
An M16 war ich mir nicht sicher, ob mit UHC oder [O III] besser.
Ich nahm nun noch M27 ins Visier, den Hantelnebel. Da war der Himmel schon matt, die Dämmerung setzte merklich ein.
Für mich war
es nun Zeit, meine Sachen zusammenzupacken, und die Heimreise
anzutreten - über Habruck rauf zur Seiberer Straße Richtung
Weißenkirchen, runter zur Donau. In der heller werdenden Dämmerung
übrigens ein wunderschönes Panorama.
Howdii