Venus am Tag, Merkur, Komet C/1996 B2 (Hyakutake), und Deep Sky

7. 4. 1996, Mistelbach, Niederleis

Ostersonntag. Nach dem Wintereinbruch zu Beginn der Karwoche, ein warmer, windstiller Frühlingstag, mit 15° C, so stellt man sich Osterwetter vor. Es war allerdings etwas dunstig, die Fernsicht eingeschränkt. Venus im größten Glanz, das sollte auch eine Beobachtung am Tageshimmel hergeben.

Um etwa 15 Uhr (MESZ) stocherte ich mit dem 7x50 Fujinon am Himmel herum, nichts. Also Teleskop raus auf die Terrasse. Im Schatten der Garage war ich zumindest vor der Sonne geschützt. Die drehbare Sternkarte verriet mir, dass Venus knapp vor dem Meridiandurchgang stehen sollte. Die Deklination war bekannt, also schwenkte ich das Teleskop ein wenig und wupps, da war die Venus im Gesichtsfeld, bei 22x. Selbst bei dieser geringen Vergrößerung konnte man die Phase erkennen. Ich ging die Vergrößerungen durch, 116x. 217x, 434x. So angenehm kann man Venus in der Dämmerung gar nicht beobachten. Und hoch am Himmel war auch das Bild sehr ruhig. Neugierig kamen meine Mutter, meine Schwester und mein Onkel, sie sahen und staunten nicht schlecht.

Um 19 Uhr war ich in Niederleis verabredet - ein erstes Treffen mit Walter Koprolin. Nach Walters Beschreibung fand ich leicht zum Wochenendhaus der Familie, plauschte ein bissl mit Walter und seinen Eltern, dann fuhren wir, Walter und ich, auf den Höhenrücken östlich von Niederleis. Walter kannte sich ja aus, für mich war es unbekanntes Terrain. 

Wir bauten unsere Teleskope auf. Ich natürlich meinen 5.7" f/6 Maksutov-Newton auf der Vixen SP-DX, Walter sein gabelmontiertes 8" Meade LX 100. Ich ging gleich auf Merkurjagd. Mit selbiger Methode wie gestern justierte ich die Montierung ein, und über Relativkoordinaten versuchte ich von Venus zum Merkur zu kommen. Walter schaute etwas skeptisch zu. Jedoch, beim zweiten Versuch klappte es, ich hatte Merkur eingefangen. Es war etwa 19:45 Uhr MESZ. Schließlich sah ich Merkur auch im 7x50 Sucher, natürlich im 7x50 Fujinon, und klarerweise war Merkur auch in Walters 15x80 Steiner Rally zu sehen. Merkur stand aber kaum höher als 5°, schon sehr tief am Horizont.

Der Nachthimmel zeigte etwas Horizontdunst. Überkopf war es vorerst nicht so schlecht, wir hatten locker 5 mag Grenzgröße. Es war auch nicht so feucht wie gestern. Aber dennoch genug, die Schmidtplatte von Walters SC war bald beschlagen. Es wurde mit der Zeit feuchter, damit auch der Himmel etwas stumpfer.

Der Komet Hyakutake stand nach wie vor im Perseus, war etwas näher an Algol herangerückt. Der Schweif reichte freisichtig bis zu Mel 20, also knapp 10°. Im 7x50 Fernglas war der Schweif auch etwa so lang verfolgbar. Im Teleskop, also meinem MN, sah ich den Kern des Kometen bei 87x und 217x wieder mehr sternförmig. Das erstaunte mich schon. Warum war es gestern so diffus bei höherer Vergrößerung? Nur das Seeing, oder war es die hohe Luftfeuchtigkeit? Der Schweif erschien, wie gehabt, breiter auffächernd. Auf einer Seite gab es einen stärkeren Materieaustritt, die Stoßfront der Koma erschien ziemlich breit. Ansonsten waren kaum Strukturen in der Koma zu finden. Walter nützte sein Teleskop zumindest als "Reitpferd" für die Kamera, knipste mit Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektiv.

Venus, ja Venus ist eine weitere Bemerkung wert. Nun, da es dunkel geworden war, stand sie immer noch recht hoch am Himmel, ein gewaltiger Scheinwerfer, unweit der Pleiaden, die jedoch fast überstrahlt wurden. In der zunehmend feuchteren Luft war die nähere Himmelsumgebung merklich aufgehellt. Jaja, so kann Venus auch durchaus stören.

Die Optik meines Teleskops war noch trocken, also widmeten wir uns mal der Beobachtung etlicher Sternhaufen. Bei 40x, mit dem 22 mm Panoptic Okular, gab es hübsche Anblicke von M35, M36, M37, M38, auch die entfernteren "Begleiter" von M35 (NGC 1907) und M38 (NGC 2158) entgingen uns nicht. Sehr hübsch fanden wir den Doppelhaufen h+X im Perseus. Der Kugelhaufen M3 zeigte sich bei 217x bis ins Zentrum aufgelöst. An M51 konnten wir bei 116x die Spiralstruktur indirekt erkennen. M81 und M82 wollten nicht sein, dem Teleskoptubus war ein Stativbein im Weg. Dann halt mit dem 7x50 Fujinon ein Blick auf diese beide Galaxien. Die Sombrero Galaxie M104 konnten wir bis 290x vergrößern, die Scheibe mit dem "Mugel" war deutlich zu sehen. Auch das Staubband war gut zu erkennen. Walter war begeistert.

Weiter ging es mit dem Leo Triplet, also M65, M66 und NGC 3628, bzw. der M96 Gruppe, das sind M95, M96, M105 und NGC 3384. Alle Galaxien der jeweiligen Gruppe waren hübsch innerhalb des Feldes des 22 mm Panoptic Okulars. Recht toll waren diese Anblicke nicht mehr, der Himmel war deutlich matter geworden. Wir hielten noch auf M101 drauf, und konnten bei 87x einige Lichtknoten um das Zentrum erkennen. Die Meniskuslinse meines Teleskops war auch schon leicht beschlagen.

Gegen Mitternacht kam der abnehmende Mond aus einer trüben Horizontsuppe empor, damit wurde der Himmel komplett stumpf. Wir bleiben dennoch ein Stündlein länger, es gab beim ersten Treffen ja etliches zu reden.

Howdii