Intes Micro Alter MN86

8" f/6 Maksutov-Newton

Nachdem ich meinen Ceravolo HD145 Maksutov-Newton sehr zufrieden war, hat mich dennoch das Öffnungsfieber erwischt. Ich schielte auf den größeren Ceravolo HD216, den 8" Maksutov-Newton. Der war aber schon hübsch teuer. Ich war am Geld zusammenlegen, doch bis ich es zusammen gehabt hätte, war dieses Teleskop leider nicht mehr im Lieferprogramm. Ein Weilchen ging die Sache mit dem 8" MN wieder unter. Das Öffnungsfieber ist heftiger ausgefallen, es kam der 18" Dob dazwischen. Dennoch, der Gedanke, einen guten Achtzöller zu haben, war nicht ganz aus meine Kopf verschwunden. So wurde ich auf die Intes Micro Maksutov-Newton aufmerksam. Ich nahm im Jahr 1999 mit Markus Ludes von APM Kontakt auf, und im Herbst war der "Prügel" bei mir. 

Geliefert wurde in einer grün lackierten Holzkiste, sehr lang und sehr schwer. Ich hatte noch die Taukappe dazu bestellt, diese kam extra verpackt, sie passt nicht mehr in die Kiste. Ein bissl Luft ist der Länge nach in der Kiste, aber nicht genug. Nicht nur das Teleskop, ich brauchte noch eine stärkere Montierung, da wurde mir die Losmandy G11 empfohlen. Gut, also erwarb ich auch so ein Ding. 

Als ich den MN86 auf die G11 aufsatteln wollen, ging die Schiene nicht in die Aufnahme an der Montierung. Ich schraubte die Schiene des MN86 mal ab und sah mir das genau an. Da passte der Winkel der Prismenschiene einfach nicht. Nun, Kontaktaufnahme mit Markus. Ergebnis des Gesprächs: Feilst halt ein bisschen ab. Zumindest wurde mir angeboten, ich kann die Schiene einschicken, sie wird neu eloxiert. Mit der Feile umzugehen habe ich zum Glück gelernt. Also kein so großes Thema. Und wenn schon, habe ich die Ecken der Schiene etwas abgerundet, um leichter in den Sattel der G11 rein zu kommen. Man muss dazu schon das Teleskop mit der Schiene oben in die Aufnahme einfädeln und nach unten rutschen lassen. Beim Abmontieren ist es natürlich leichter, die Schiene unten aus dem Sattel rutschen lassen, und den Tubus abfangen, damit er nicht gleich auf die Montierung klescht. Ist ja doch ein schwergewichtiges Trumm, der MN86.

[Hier ein´kleiner Einschub. So, wie das Teleskop gerade beisammen war, konnte man wenigstens mal durchgucken. Walter Koprolin war natürlich neugierig und ist zu mir gekommen. Wir haben die G11 auf der Terrasse aufgestellt, den MN86 aufgesattelt, und über's Dach der Garage Jupiter anvisiert. Was wir zu sehen bekamen, war unglaublich! Wir sind da gestanden, haben uns angeschaut und gemeint: Dieser Jupiter! Und das von einem Achtzöller? Das Teleskop grad aus der Garage geholt, der Ventilater am Teleskopende nicht in Betrieb, nicht mal den Deckelm der den Tubus hinten verschließt, abgeschraubt... 

Ich darf vorausschicken, einen solchen Jupiter konnte ich nie wieder mit diesem Teleskop sehen. Wir hatten damals außerordentliches Glück mit den Bedingungen. Es ist da etwas zusammen gekommen, was eigentlich gar nicht sein dürfte. Es wird vielleicht offenbar beim Weiterlesen...]

Nächster Check: ist die Optik justiert? Da hat sich gleich ein weiteres Problem offenbart. Der Fangspiegel war einfach nicht optisch unter dem Fokussierer zu zentrieren. Wohl konnte man den Fokussierer in Längslöchern etwas verschieben, das reichte aber bei Weitem nicht. Wieder bei Markus ankurbeln. Es dauerte ein Weilchen, bis ich meinen Anspruch so klar machen konnte, dass eine Reparatur zugesagt wurde. Ich spezifierte nun selbst, wie lange der Fangpspiegelhalter, der an der Meniskuslinse montiert ist, sein muss. Nach einiger Zeit kam der neue Fangspiegelhalter an. Ich musste nun den Fangspiegel ausbauen. Das geht so: Fokussierer runter schrauben, damit man in den Tubus greifen kann. Dann vorn an der Meniskuslinse den Überwurfring des Fangspiegelhalters abschrauben. So kann man den Fangspiegelhalter von innen aus der Meniskuslinse herausziehen und durch das Fokussierer Loch entnehmen. Nun war der aufgeklebte Fangspiegel vom Halter zu entfernen, um ihn auf dem neuen Halter zu verkleben. Dabei hatte ich mal den abmontierten Fangspiegel in der Hand. Wenn ich gerade Linien in der Spiegelung betrachtete, gab es da eine Stelle, wo sich die Linien merklich verbogen. Ich kontaktierte Markus erneut, bekam aber sofort einen neuen Fangspiegel zugesagt, und dieser war ein paar Tage später auch hier. Somit konnte ich den neuen Fangspiegel aufkleben, den Fangspiegelhalter montieren, und nun auch den Fangspiegel mit korrektem Offset justieren.

Es gab dann noch eine hausgemachte Panne, beim erneuten Justieren des Fangspiegels. Durch den Drehimpuls des Schlüssel bei der Justierung hat sich der Fangspiegel, der etwas zu locker in der Meniskuslinse saß, mit gedreht. Fein. Man hat vor allem dann seine Freude, wenn es in der Nacht passiert, auswärts auch noch. Das lässt sich ad hoc nur mehr ganz grob in Ordnung bringen. Um die Sache zu fixen, braucht es gutes Licht, nebenbei Zeit und Geduld.

Aber damit waren alle Anfangsproblemchen ausgestanden. Ich konnte den 8" f/6 MN für meine Beobachtungen wie geplant einsetzen. Die Optik erwies sich als gut, keine Frage. Thermisch ist die Sache doch kritisch. Der Tubus ist belüftbar. Also vorne in der Fassung der Meniskuslinse sind Luftlöcher vorhanden, mit Filtervlies hinterlegt. Am Tubusende gibt es einen Ventilator, der mit einem Schraubdeckel verschlossen werden kann, damit keine Viecher zwischen den ruhenden Ventilatorflügelr in den Tubus schlüpfen können. Ohne den Lüfter in Betrieb zu nehmen, ist die Optik unpässlich. Die Abbildung bescheiden. Wenn der Tubus richtig warm ist, dauert es auch mit Lüfter ein Weilchen, bis sich gute optische Performance einstellt. Ich bastelte mir also ein langes Kabel, das ich im Autokofferraum anstecken konnte, zum Speisen des Lüfters am Teleskop. Damit war ich aber praktisch auch an eine Aufstellung dicht am Auto dran gebunden. Eh, die Montierung braucht auch "Saft". Diese war an der zweiten Buchse im Kofferraum angeschlossen.

Ja, es hat gedauert, bis ich diese Tüte von Teleskop im Griff gehabt habe. Aber dann war der 8" MN ein verlässlich braves Arbeitspferd. Viele, viele Beobachtungsberichte sprechen für sich. Nur die G11 taugte mir nicht so recht. Diese Rutschkupplungen waren ruppig, es war damit eher ein gummiartiges Gewackel als weiche Verstellung möglich. Mein Gefühl, die G11, für viele ebenfalls ein braves Arbeitspferd, war mit dem MN86 Bröckerl ein wenig überfordert. Daran haben diverses Reinigungsmaßnahmen, die ich der G11 angedeihen ließ, wenig geändert.

Walter hat mich ein bissl mit der Fotografie angesteckt. Nun ja, auf Film war mir das ein wenig zu patschert. Ich stieg dann gleich mit einer SBIG ST-7E ein. Damals sowas wie die Mittelklasse von SBIG. Heute würd' man sagen, ui, so ein kleiner Chip. Aber wir wollten mit dem MN86 eben CCD Imaging machen. Und für dieses eigentlich visuell ausgelegtes System, braucht es nicht wirklich einen großen Sensor. Was uns am ehesten hinderte, war die G11, die unguided nicht allzu viel Belichtungszeit zuließ.

Es kam zu einem Besuch bei Hannes Bachleitner im Innviertel, wo ich seinen MN76 und vor allem seine WAM 300 kennenlernen durfte. So wuchs mein Ansinnen, die G11 gegen eine größere WAM von Beat Kohler zu tauschen. Es wurde dann die WAM 450 move, auf einer Kurzsäule mobil einsetzbar. In dieser Form waren wir mit der CCD Arbeit gleich besser unterwegs. Zwei bis drei Minuten unguided waren möglich, fallweise haben wir sogar fünf Minuten rausquetschen können.

Eine Zeit lang habe ich also den MN86 noch auf der WAM 450 move mobil betrieben. Bis es zu einer einschneidenden Beobachtung kam. Bei -9° C und ganz leichtem Wind fast drei Stunden beobachten, das setzt einem schon zu. Der Allerjüngste war ich da auch nicht mehr. Und dann das Einpacken der Trümmer, keines leichter als 15 kg, und das ganze Eisenzeug so kalt, das brannte durch die Handschuhe auf den Fingern. Ich war fertig. Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Auto und schlich nach Hause. Na, sowas will man sich dann nimmer oft antun. So beschloss ich, eine eigenen Sternwarte muss her, und die WAM sowie den MN86 parke ich dort, in permanentem Setup, bereit, sofort für die Arbeit. Was man sich so vorstellt, und was dann eben ist, das divergiert, gelinde gesagt.

So, nun wird es Zeit, den MN86 ein bisschen in Bildern zu zeigen, ein paar Details. Von den mobilen Einsätzen gibt es kaum Bilder, eher CCD Fotoergebnisse, siehe die einschlägigen Berichte. In meine Sternwarte hab ich doch manchmal auch hineingeknipst.

Die neue errichtete Sternwarte, und der MN86 gleich nach dem Einzug in die Sternwarte. Alles noch ein bissl provisorisch.
Der Schaumstoffwuzl auf der Taukappe war ein Transport-Klapperschutz, und blieb halt gleich drauf, es war kein Fehler so.

Der anno 2005 wesentlich jüngere Autor neben seiner "Geschützbatterie".
Hier ist der MN86 im Doppelsetup mit dem 100/800 Fluorite Triplet APO zu sehen.
In dieser Konfiguration war die Sternwarte für lange Jahre besetzt, und wurde auch so betrieben.
Eines ist schon sichtbar: Die G11 wirkte etwas verloren unter dem Trumm Tubus des MN86, die WAM 450 move wirkt adäquat.
Mit allem Geklapper, inklusive CCD Kamera, waren da etwa 30 kg "Nutzlast" auf der Montierung

Ein "Problem" gab es noch: den Fokussierer. Im Lieferumfang war ein Crayford dabei, sogar mit Grob- und Feintrieb. Sicher nicht das, was man aus westlicher Fertigung an "look and feel" erwartet hätte, aber sicher keine Lachnummer. Als Eigenbau muss man das auch erst mal so hinkriegen, wenn man es denn versuchte... Die Sache war für visuelle Beobachtung durchaus ok, daran gab es nichts auszusetzen. Mit einer schweren CCD Kamera dran war es eine andere Geschichte. Der "Fehler" war ein etwas zu großer Radius der Basis. Da der Fokussierer nur an den Längsenden mittels zweier Schrauben mit dem Tubus verbunden war, konnte der Fokussierer unter schwerer Last seitlich etwas kippen. 

Der Originalfokussierer, hier in ausgebautem Zustand. Soweit ja recht ordentlich. Auch die beiden Längsöcher zur Montage sind zu sehen.

Das ist die Mechanik dahinter. Kugelgelagertes Auszugrohr, die Welle greift an einer flach gefrästen Fläche an, und ist in Teflon gelagert.
Den Anpressdruck kann man einstellen, und die zwei seitlich angreifenden Schauben können das Auszugrohr festsetzen, um die Fokuslage fix zu halten.

Hier nochmals die Verschiebbarkeit des Fokussieres längs zum Tubus des Teleskops, um den Offset für den Fangspiegel korrekt einstellen zu können.

Hier ist das Problem zu erkennen. Die Kante des Fokussieres hat etwas Luft.
Es sollte eher umgekehrt sein, der Fokussierer auf den Kanten aufliegen, und in der Mitte darf er ein bissler Luft haben...

Für mich war sowieso klar, dass ich einen flacheren Fokussierer lieber hätte für die fotografische Arbeit mit dem MN86. Also konstruierte ich eine Basis, die auf den Tubus passt, und mit einem JMI DX1M Smartfocus verheiratbar sein solllte. Diese Basis gab ich bei APM in Auftrag, und nach geraumer Zeit war sie da. Mit der Beschaffung des JMI Fokussierers waren mehrere Händler befasst und bemüht, gefruchtet hat es nichts, das Ding ist nicht und nicht dahergewachsen. Markus Ludes meinte, er könne das fix besorgen, aber auch da dauerte es ein Weilchen. Gut Ding braucht Weile, kann man da nur sagen. 

Und so sieht die Sache mit der neuen Basis aus. Durch die Motorisierung des DX1 ist der Feintrieb verloren gegangen, aber der DX1 ist ausreichend fein übersetzt, dass man so auch gut arbeiten kann.
Hier die Konfiguration mit der Verlängerungshülse, für visuelle Anwendung oder Webcam Arbeit. Für die SBIG ST-8XME CCD Kamera mit Filterrad ist die Hülse abzunehmen.

Der Motorfokus war fein für Planetenfotografie, kein Gezitter oder Gewackel, wenn man mit hoher effektiver Brennweite arbeitet. Und über den Smarfocus kann man nicht nur den Fokussierer elektrisch ein und ausfahren, man kann auch fixe Positionen einprogrammieren, die auf Knopfdruck anfahrbar sind. Für die ST-8 war das praktisch scharf. Da musste ich kaum noch etwas nachbessern. Natürlich  gab es dazu eine kleine Software Applikation, der Fokussierer war über RS-232 mit dem Rechner verbunden. Via GUI konnte man also diverse Fokuspositionen speichern und in eine Tabelle eintragen. So hatte ich eine komfortable Sache in der Hand, selbst das 27 mm Panoptic als Übersichtsokular konnte ich auf Knopfdruck scharfgestellt anfahren, ich musste nur die Verlängerungshülse samt Okular einsetzen. Insgesamt aber ein teurer Spaß. Billig war der DX1M mit Smartfocus wahrlich nicht.

Ein Blick auf die Meniskuslinse. Multi-Coating sowieso. Man erkennt auch die Luft Einlasslöcher in der Fassung der Meniskuslinse.
Im Lauf der vielen Einsätze hat sich ziemlich viel Staub auf der Linse gesammelt. Beim Beobachten merkt man Null davon.

Die Taukappe wird auf den Tubus aufgeschraubt. Sie ist ihrerseits ein recht schweres Ding, mit Innenblenden versehen, auch der Frontring bildet eine Blende.
Tau wird wirksam von der Meniskuslinse fern gehalten. Selbst in sehr feuchten Nächten blieb die Linse klar.

Wenn wir bei Blenden sind: Im Tubus befinden sich etliche Innenblenden. Und, damit warme Luft, die vom Hauptspiegel aufsteigt, nicht über die Blendringe drüber "muss", und so in den Strahlengang kommt, sind die Blendringe auf Wellblech aufgesetzt. Die Luft kann so an der Tubuswand entlang streichen, unter den Blendringen durch. So sie sich an diese "Vorgabe" auch hält. Direkt gegenüber des Fokussierers ist noch ein spezielles Blendenpaket angebracht, das Streulicht, das in den Tubus vorn eintreten könnte, und unfokussiert ins Okular gelangen könnte, unterdrücken soll. Mag sein gut, mag sein überkanditelt. Bei Tagesbeobachungen in Sonnennähe, was mal auch vorkam, glänzten die Kanten diese Blenden, und waren mehr störend als hilfreich. Es gibt immer auch die andere Seite der Medaille.

Das ist die Tubusrückseite. Man erkennt hier die Justierschrauben für den Hauptspiegel, ausgeführt als Zug- und Druckschrauben, und korrekt, radial angeordnet.
Ferner ist das Lüftergehäuse sichtbar. Staub ist Sternwarteneigentum. Eine Kuriosität das Schild, das dieses Teleskop als Maksutov-Cassegrain 8" f/15 ausweist. Ne, es ist ein 8" f/6 Maksutov-Newton.

Der Lüfter selbst wird bei abgeschraubtem Deckel sichtbar. Er saugt vorn durch die Löcher in der Meniskuslinse Luft in den Tubus, durch ein Filtervlies, also Staub kommt so nicht in den Tubus.
Hinten wird die Luft ausgeblasen. Man spürt speziell zu Beginn, wie da richtig warme Luft raus kommt.

Den Lüfter habe ich anfangs falsch betrieben. Es war ein Regler dabei. Erst volle Geschwindigkeit, dann nur leichtes Säuseln. Es hat sich so nicht bewährt. In meiner Sternwarte wurde der Lüfter von einem Netzteil gespeist, konstant mit 7.5 Volt. Das war ok so, ausreichend Durchzug, damit die warme Luft vor dem Hauptspiegel auch mitgenommen wird. Auf diese Weise gab es recht schnell knackig scharfe Bilder. Testhalber den Lüfter abschalten, kam typisches Gemansche in der Abbildung daher. Üblicherweise ist dann das Seeing einfach schuld, hört man so vielfach von Leuten, die Teleskope mit geschlossenem Tubus haben. Kaum war der Lüfter wieder an, nach einer halben Minute wieder ein klares, scharfes Bild. Eine Tücke hat der Lüfter doch: man saugt so während sehr feuchter Nächte eben feuchte Luft in den Tubus. Die Meniskuslinse ist nie von außen beschlagen, aber einmal von innen... Kontrolle ist daher gut, und dann eben austrocknen lassen. Ich habe eine Glühbirne vorn hin gehängt, die spendete vor allem ein bissl Wärme, und den Fokussierer hielt ich dabei offen. So konnte die Feuchte rasch verdunsten und abziehen. Sicherheitshalber noch die trockenere Tagesluft durch den Tubus pusten lassen, Reste von Feuchtigkeit verschwinden so. Ohne diese pfleglichen Maßnahmen riskiert man Fungusbefall.

Die Rohrschellen: unten die Prismenschiene, oben eine Platte drauf. Sie bilden einen stabilen Käfig.
Muss so sein, es sind Rotationsrohrschellen.

Hier kann man den Mechanismus etwas erkennen. Auf dem Tubus sitzen zwei T-förmige Reifen.
Die eigentliche Rohrschelle greift von oben drüber, Teflon U-Profile an einigen Stellen gleiten auf dem Steg.
Die Klemmung kann lockerer bis fest gestellt werden, zur Fixierung der Einstellung gibt es die Rändel-Konterscheibe.

Die Rotationsrohrschellen sind für visuelle Beobachter ein Segen. Sagen wir so, easy lässt sich der Tubus nicht rotieren. Man muss schon anheben, wenn die Klemmen relativ locker eingestellt sind. Man rüttelt dabei doch ganz schön an der Montierung. Das ist so nicht vereinbar mit Goto-Montierunge, die nur per Schrittzählung ihre Ziele finden. Ohne Goto war es für mich damals kein Thema. Ich habe ja meine Ziele alle via Sternkarte und Sucherfernrohr anvisiert. Per Starhop. Eine Technik, die heute fast im Aussterben begriffen ist. Und so war es für mich auch ok, die Orientierung des Fokussierers so zu drehen, dass ein bequemer Einblick möglich war. Für die fotografische Anwendung, speziell auch in der Sternwarte mit Goto-Funktion, war die Rohrschelle voll geklemmt, der Tubus damit fixiert. Da die WAM 450 über Achsencoder verfügt, hätte ich für Beobachtungen in der Sternwarte den Tubus wohl rotieren können. Man könnte die Achsklemmen einfach lösen, den Tubus waagrecht legen, so lässt er sich am leichtesten rotieren, und dann sagt man der Steuerung einfach, übernimm von den Encodern. So richtig genau ist es nicht, die Encoder haben nur eine relativ grobe Auflösung. Aber dann einen hellen Stern anfahren, diesen zentrieren und einen Sync setzen, haben die Servos wieder alles unter Kontrolle. Ich habe aber drauf verzichtet, und einfach eine Leiter genommen, so konnte ich immer ins Okular blicken, wenn ich wollte, ohne am Setup herumzurütteln.

Ein paar Foto Ergebnisse aus meiner Sternwarte darf ich hier präsentieren. Vielfach habe ich den MN86 für Planetenfotografie eingesetzt. Nicht immer sind die Bedingungen gut, manchmal geht es halt rein um eine Dokumentation. Diese gezeigten Bildchen sind halt einfach zum Anschauen. Auch Deepsky Fotografie habe ich betrieben, meist nur monochrom, und da schlummern noch irgendwo im digitalen Nirwana ein Haufen unbearbeiteter Daten. Irgendwie halt auch schon Schnee von gestern. Die ST-7E habe ich in der Sternwarte nur ganz am Anfang noch verwendet. Es ist bald die SBIG ST-402 ME mit integriertem Farbfilterrad gefolgt. Und aus dieser Zeit gibt es ein sicher soweit gelungenes Foto, siehe unten. Mir ist dann aus beruflichen und familiären Gründen die Zeit ausgegangen, weiter in meiner Sternwarte zu arbeiten. Es war nur mehr sporadisch etwas möglich.

Jupiter am 11. Juni 2006

Saturn am 23. April 2005

Mars am 27. Oktober 2005

Venus am 8. Dezember 2005

Uranus mit den Monden Titania und Oberon, am 6. September 2005

Neptun und der Mond Triton, am 6. September 2005

M27 LRGB, Luminanz mit dem MN86, RGB mit dem 100/800 Triplet APO

Schön und gut, der MN86, wie ich ihn beieinander hatte, ein Träumchen von Teleskop, aber ein gewichtiges. Dennoch, bei den Versuchen mit der CCD Kamera stieß ich auch an die Grenzen. Was ich eigentlich vor hatte, da musste ich einsehen, Junge, Junge, es reicht die Öffnung nicht, und auch die Brennweite nicht. Ich war nun am Tüfteln, welche größere Tüte ich irgendwann in die Sternwarte pflanzen wollte. Die Entscheidung ist längst gefallen. Und die Arbeit mit dem C11, mehr Öffnung, mehr Brennweite, hat mir schon die Bestätigung gebracht. Die Sache ist im Laufen, und geht schon mal in die richtige Richtung. Somit hat der MN86 eigentlich seine Schuldigkeit getan. Vielleicht nicht ganz. Heute reißt sich eh keiner mehr um derartige Teleskope, der Hype um die Maksutov-Newton ist längst vorbei. So bleibt der MN86 mal in seiner Kiste, in der er geliefert worden ist, und dann und wann werden wir ihn (Andi ist sicher dabei, er würde den MN86 gerne mal im Beobachtungseinsatz erleben) halt raus holen, vielleicht wieder mobil einsetzen. Die WAM werden wir nicht raus schleppen, sicher nicht, uns reicht, wie wir mittlerweise wissen, die iOptron CEM60. Sie trägt den MN86 erstaunlich gut, und wir werden diesem Teleskop schon noch mal eine Ebenwald-Nacht gönnen. Die Optik ist ja pipifein, und zeigt schöne Bilder, keine Frage. Irgendwo hänge ich doch auch an diesem Teleskop, es waren viele Nachtstunden, die ich mir damit um die Ohren geschlagen habe. Denkwürdig war auch die First Light Beobachtung. Walter war dabei, bei mir daheim auf der Terrasse. Ein Jupiter zum Niederkien. Das Glück, ein gnadenlos gutes Seeing zu erwischen, muss man auch haben. Und dabei war die Optik nichtmal noch perfekt justiert, siehe die Geschichte mit dem Offset, weiter oben...

Der MN86, hier vielleicht ein letztes Mal auf der WAM 450 move in meiner Sternwarte.
Was am Frontdeckel so komisch glänzt ist Alufolie. Beim Sonnenbeobachten mit dem parallel montierten APO konnte ich so ein Aufheizen des MN86  verhindern.

Die iOptron CEM60 wirkt auch nicht ganz verloren unter diesem Prügel von Teleskop. Sie wird der Schlüssel für zukünftige visuelle Einsätze mit dem MN86 sein.

Sagen wir so, die fotografisch Verwendung war genau genommen eine "Vergewaltigung" dieser Optik. Mit dem kleinen Fangspiegel, der gerade mal linear 18% Obstruktion verursacht, ist keine tolle Feldausleuchtung zu erwarten. Schon ein kleiner Sensor wie der der ST-7E oder dann der ST-402 ME wird nicht mehr bis in die Ecken voll ausgeleuchtet, da ist schon ein wenig Lichtabfall feststellbar. Dennoch, soweit man sich nach der Decke gestreckt hat, war auch die fotografische Performance ordentlich. Als Makutov-Newton ist die Optik nicht komafrei, aber Koma ist so gering, mir niemals wo über den Weg gelaufen. Weder visuell noch fotografisch. Auch nicht, wie ich mit dem größeren Sensor der ST-8 XME drauf gegangen bin. Freilich, noch mehr Lichtabfall in den Ecken, aber die Sterne waren bis in die Bildecken pipifein. Ein Korrektor wurde niemals verwendet. Einfach Kamera drangedengelt, fertig.

Wenn auch der letzte Blick durch den MN86 auf Himmelsobjekte nicht allzu lange her ist, die vielen schönen Erinnerungen, die mich mit diesem Teleskop verbinden, sind aus einer längst vergangenen Zeit. Beim Aufarbeiten der Beobachtungsberichte griff mehr Verwunderung als Sentimentalität um sich. Im Nachhinein gesehen, schon arg, was ich mit diesem Teleskop getrieben habe, an welchen Objekten ich mich abgearbeitet habe. Aber ja, da will ich eigentlich wieder anknüpfen, wenn es meine Zeit und Lebenszeit zulässt. Und was wir, wenn wir mit dem MN86 mal draußen stehen, schauen werden, das muss ich noch mit mir selbst ausmachen.

Howdii